DEKREFA Team

Start-up des Monats

Start-up des Monats: DEKREFA


Die Erfindung der digitalen Kreditfabrik


Die beiden wissen, wovon sie reden. Da ist zum einen Christian Mankel, Jahrgang 1970, seit mehr als 25 Jahren als Banker und Börsenhändler in Stuttgart und Frankfurt sowie in der Unternehmens- und Projektfinanzierung tätig. Und da ist zum anderen Jiri Jetmar, Jahrgang 1978, der gefragter Experte bei großen Banken ist und eine langjährige Erfahrung aus der Banken-IT mitbringt.

Beide zusammen stellen das Gründungsduo der am 8. Februar 2017 ins Leben gerufenen Deutsche Kreditfabrik (DEKREFA) in Eschborn dar, die damit über 40 Jahre Markt- und Branchenwissen in diesem digitalen B2B-FinTech-Unternehmen für den Kreditsektor auf die Waagschale bringt. Vor diesem Hintergrund kennen Mankel und Jetmar auch das Innenleben der Finanzindustrie wie ihre Westentasche - vor allem, wenn es um Kreditprozesse und Kreditvergabe sowie die Datenhaltung geht. „Daher wissen wir, dass das Geschäft oft sehr ineffizient abgewickelt wird“, sagt Mankel. Das beginnt bei den Abwicklungssystemen, die oft als Insellösungen umgesetzt worden sind und dadurch nicht kosteneffektiv zu betreiben sind. Weiterhin ist insbesondere bei Banken die Prozesstiefe im Kreditgeschäft sehr hoch - das bedeutet, dass die einzelnen Kreditprozessphasen im eigenen Unternehmen vollständig umgesetzt worden sind. Die Konsequenz: Das Kreditgeschäft wird immer ineffizienter und damit weniger profitabel, schlussfolgert Mankel.

Industrialisierung des Kreditgeschäfts

Daher befindet sich der Finanzsektor nach Überzeugung von DEKREFA in einem historischen Umbruch und in einer Umverteilungsphase des Marktes. So konkurrieren FinTechs und andere professionelle Marktteilnehmer um signifikante Marktanteile. Zudem bestehen erhöhte Anforderungen an Banken, unter anderem was die Eigenkapitalunterlegung für ausgegebene Kredite betrifft. Hoher Kosten- und Margendruck belasten damit das klassische Basisgeschäft der Banken. Die DEKREFA antwortet auf diese Situation mit einem visionären Konzept, wie Mankel und Jetmar sagen, das die Industrialisierung des Kreditgeschäfts durch Digitalisierung und Automation der Prozesse beinhaltet. Kreditsuchende, Investoren, Kreditinstitute, Kredit-FinTechs, die Investmentindustrie und alle sonstigen Kredit-Dienstleister profitierten von den vielfältigen Service-Bausteinen als „verlängerte Werkbank", wie Mankel es nennt, die ihre individuellen Anforderungen abdeckt. „Effizienz, Transparenz, Schnelligkeit, Objektivität sowie geringere Kosten des Kreditgeschäfts sind die Ziele unserer Kunden“, sagt er.

Als Zielgruppen haben die beiden Jungunternehmer neben Banken Unternehmen, Fintechs, Investoren, die in Kredite investieren wollen, sowie sonstige Kreditdienstleister wie Ratingagenturen und Initiatoren von Kreditfonds im Blick. Als erster Kunde konnte bereits ein Kreditfonds für ein Leuchtturmprojekt gewonnen werden, der in Kredite an klein- und mittelständische Unternehmen (KMUs) investieren will. Die DEKREFA sitzt dabei als Datenbroker zwischen den vier beteiligten Partien und bereitet die Daten für sie auf – Fintechplattformen, die u. a. die Kreditgesuche ogiginieren, die Fondsgesellschaft, der Fondsmanager sowie die Bewerter dieser Kredite. Alle vier Marktteilnehmer sind zwar mit unterschiedlichen IT-Systemen ausgestattet, weil die DEKREFA in der Mitte sitzt und in der Rolle eines Übersetzers sämtliche Datenformate auslesen kann, werden aber alle Informationen für jeden übersetzt und aufbereitet. „Und damit löst die Aufgabe bei keinem der Partner ein IT-Projekt aus“, macht Jetmar klar.

Im Detail liefern die beteiligten Fintechplattformen die Kreditdaten an DEKREFA. Diese filtert die Informationen für den Fondsmanager nach dessen Anlagekriterien vor und überspielt ihm das Ganze als aggregierte Marktübersicht. „Der Vorteil besteht darin, dass er einen aggregierten Kreditmarkt vorfindet und diesen nach weiteren Kriterien, die seinem ‚Risikoappetit‘ entsprechen, durchsuchen sowie filtern kann – ähnlich dem Vorgang, wie es ein Börsenhändler am Kapitalmarkt tut“, so Jetmar. Seine Entscheidung spielt der Fondsmanager dann an die DEKREFA zurück, die die Daten schließlich an den Originator, wie z. B. eine Fintech-Vermittlungsplattform weiterleitet. „Außerdem spielen wir die Daten an die Kapitalverwaltungsgesellschaft zurück, die auch für Risikomanagement verantwortlich ist, so dass Abwicklung und Einbuchung stattfinden können“, erklärt Jetmar.

Digital, hochautomatisiert und kosteneffektiv

Über ihre Rolle als Datenbroker hinaus, wie sie die DEKREFA in dem Pilotprojekt einnimmt, wollen die Jungunternehmer ein „360Grad-Transaktionspartner für die Kreditindustrie“ werden. Dazu wird unter anderem eine an die Blockchain angelehnte Technologie verwendet, der sogenannte Distributed Ledger, der es der DEKREFA erlaubt, sehr kosteneffektiv Kreditgeschäfte abzuwickeln. Dabei führen sie im Kreditbereich nichts Geringeres im Schilde als das, was die DWP (Deutsche WertpapierService Bank AG) im Wertpapiersektor darstellt - ein Clearinghouse zu werden, das als Transaktionspartner für die Kreditindustrie fungiert. „Wir verstehen uns dabei nicht als Konkurrent, sondern als Komplementär der deutschen Kreditindustrie“, erläutert Mankel. Es sei offensichtlich, dass diese ihre Kredite inzwischen viel zu teuer herstelle. „Da legen viele drauf“, so Mankel. Wenn man aber der Branche helfe, effizienter, transparenter und insbesondere profitabler zu werden, reüssiere auch die DEKREFA.

Dabei verfolgt das Start-up im Grunde zwei Ansätze. Zum einen sollen über einen digitalen, hochautomatisierten Kreditprüfungsprozess Kosten gesenkt werden. Und zum anderen geht es darum, über Kauf oder Verkauf von Kreditforderungen das Kreditportfolio der Banken zu optimieren, insbesondere durch eine höhere Diversifizierung der Risiken. Vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die dem Regionalprinzip verpflichtet sind, könnten auf diese Weise Klumpenrisiken abbauen, ohne ihre Kundenbeziehung zu beenden.

Um ihre digitale, hochautomatisierte Kreditproduktionsstraße, die den Kern der eigenen Kreditfabrik darstellen soll, fertigzustellen, sind Mankel und Jetmar derzeit auf Investorensuche. Die neuen Mittel in der Größenordnung von bis zu 1,5 Millionen Euro sollen insbesondere für den Aufbau eines internationales Teams für die Umsetzung sowie den Betrieb der Kreditproduktionsstraße verwendet werden. Das Prinzip der projektorientierten Beauftragung externer Dienstleister soll im Übrigen auch grundsätzlich bei der DEKREFA gelten, um die Kosten dauerhaft möglichst niedrig zu halten. Bei der Suche nach neuen Mitteln schauen sich Mankel und Jetmar im Übrigen nicht nur nach Eigenkapital um. Die Hälfte der benötigten Mittel könne auch ein Förderdarlehen oder Fördermittel, meint Mankel, der derzeit zusammen mit seinem Partner die Anteile an der DEKREFA je zur Hälfte hält.

Hilfreich bei der Investorensuche dürfte sein, dass der DEKREFA im Mai 2017 die Förderfähigkeit durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bescheinigt wurde. Gemäß einem durch das BAFA in Auftrag gegebenen Gutachten wurde die Arbeit des Start-ups als Innovation eingestuft. Für private Investoren oder Business Angels würde dies Zuschüsse des Bundes für ein Investment von 20 Prozent ihres Investments sowie eine pauschale Steuererstattung auf Veräußerungsgewinne in Höhe von 25 Prozent des Exit-Gewinns bedeuten.

Der Markt für ihr Projekt erscheint den beiden Gründern jedenfalls als riesig. Allein 2016 seien in Deutschland Kreditanfragen von KMUs in Höhe von 134 Milliarden Euro nicht finanziert worden - nicht zuletzt, weil die Bearbeitung bei den Banken zu teuer sei. „Dies lässt das Potenzial erahnen, das durch eine effizientere Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen freigesetzt werden kann“, resümiert Mankel.

Von Thomas Spengler, August 2017
Bilder: DEKREFA Deutsche Kreditfabrik GmbH

DEKREFA Taunus Tower

Der Taunus Tower in Eschborn, Sitz der DEKREFA Deutsche Kreditfabrik GmbH