Startup des Monats

Startup des Monats: Instant Music Licensing

Copyright per Mausklick geklärt

Filmemacher und Produzenten von Werbespots sind sich der großen Bedeutung von Musik für die emotionale Vermittlung von Botschaften und Stimmungen sehr bewusst. Sie wissen aber auch, wie aufwändig es sein kann, die Rechtenutzung von Kompositionen für ihre spezielle Verwendung wasserdicht zu machen. Hier setzt die im Juli 2015 von Zeljko Lopicic gegründete Instant Music Licensing GmbH in Esslingen an, die die rasche Lizenzierung von Musiktiteln über das Internet zum Geschäftsmodell erkoren hat. „Es geht um eine Vereinfachung der Rechteabklärung für jeden, der Musik in Verbindung mit einem Film oder Radiospot bringen will“, erläutert Lopicic, selbst diplomierter Toningenieur, der viel Erfahrung in der TV- und Radioproduktion, unter anderem bei Bayern3 und SWR3, gesammelt hat.

Üblicherweise ist vor der kommerziellen Nutzung eines Musiktitels in einem Film oder Radio-Spot eine längere Rechtekette aus Musikern, Texter, Komponist, Verlag und Plattenlabel abzuklären. Diese reduziert Lopicic auf einen einzigen Schritt – „ein one stop licensing“, wie er sagt, bei dem über das Online-Portal seines Startups auf einmal alle Rechte geklärt sind (royalty free). Im Anschluss kann die entsprechende Musik sofort genutzt werden. „Wir räumen diese rechtliche Frage einfach und schnell beiseite, so dass die Lizenznehmer die Musik umgehend nutzen können“, sagt er und vergleicht sein Modell mit „iTunes für die gewerbliche Nutzung“. Das Copyright ist damit schnell per Mausklick geklärt, der Preis überschaubar. So kostet etwa die weltweite Rechtenutzung eines Titels für einen klassischen Online-Werbespot über 15 bis 30 Sekunden 399,- Euro. Dafür kann ein Lizenzvertrag auf http://musiklizenzierung.com/ bequem heruntergeladen werden. Ein Nutzer wie eine Werbeagentur kann auf diese Weise rasch ausschließen, dass etwa eine Klage von einem Rechtinhaber eingehen und das Video für einen Kunden gesperrt werden könnte. „Was für die Agentur äußerst peinlich wäre,“ meint Lopicic.

Was die Lizenzierungskosten angeht, sind Charttitel eher teuer. Dies muss dann individuell abgeklärt werden, was auch zu den Dienstleistungen von Instant Music Licensing gehört. Um aber den Lizenznehmern eine preisgünstige und dennoch qualitativ hochstehende Alternative zu bieten, hält das Jungunternehmen einen großen Pool an sogenannter Production Music und Klassiktiteln bereit. So umfasst das Repertoire von Instant Music Licensing rund 6.500 klassische Titel – „von Beethovens Neunter über den Bolero bis Nessun Dorma, also alle gängigen Classic Hits“, wie Lopicic sagt. Dafür habe man auch Vereinbarungen mit großen Labels getroffen. Hinzu kommt ein wachsender Pool an sogenannter Production Music, die eigens von zwölf Komponisten, die als Freelancer für Instant Music Licensing arbeiten, ersonnen wird. Diese schreiben als eigene Kompositionen sogenannte Style-Alikes, die zwar sehr an stark gefragte, oft aktuelle Titel erinnern, aber eben als Neukompositionen gelten. „Wir liefern damit den Sound der neuesten Hits, ohne dass der Nutzer die teuren Lizenzrechte des eigentlichen Charttitels bezahlen muss“, erläutert Lopicic. Seinem Unternehmen, das die Style-Alikes in der Regel als Instrumentalversionen anlegt, kommt dabei zugute, dass in der Musik zwar Melodielinien und Texte schützenswert sind, nicht aber Akkordfolgen und Styles. Damit transportieren die Style-Alikes dennoch das Feeling oder die Stimmung der Charthits, an die sie sich anlehnen.

Jedenfalls ist es Instant Music Licensing bisher immer gelungen, die Verletzung von Urheberrechten der Originalsongs zu vermeiden. „Es gab noch nie eine Klage - wir sind da safe“, so Lopicic. Schließlich gibt es genügend Algorithmen, die schnell erkennen können, ob ein Song gecovert ist. Bei komplexeren Produktionen, etwa dem TV-Spot für ein großes Markenunternehmen, rät er ohnehin zu einem ausführlichen Musik-Gutachten.

Derzeit ist Instant Music Licensing mit einem Programmierer, einem Auszubildenden, seinen zwölf Komponisten und drei weiteren freien Mitarbeitern sehr schlank aufgestellt. „Die Online-Lizenzierungen laufen ausschließlich über das Portal und verursachen keinen größeren Aufwand“, sagt Lopicic. Größere Projekte wie Spielfilmproduktionen & TV-Webespots betreut er dagegen persönlich. „Das schätzen die Produzenten“, so Lopicic. Außerdem steht eine Menge administrativer Aufwand ins Haus. So ist das Jungunternehmen derzeit dabei, einen eigenen Katalog seines Angebots zu erarbeiten, der dann an alle TV-Stationen in Europa gehen soll. Aktuell hat das Unternehmen Verträge mit ARD, ZDF, HR und dem SWR geschlossen. Als weiteres Ziel nennt der Firmengründer, weltweit Vertriebspartner und Sub-Verlage zu gewinnen, mit deren Hilfe dieser Content dann im TV platziert werden und verlizenziert werden soll. Für diesen Prozess und die weitere Beschaffung von Inhalten sowie ein verstärktes Marketing benötigt Lopicic noch eine Finanzspritze in der Größenordnung von 150.000 Euro. Am liebsten wäre ihm, der derzeit noch alle Anteile am Unternehmen hält und bisher alles nahezu selbst finanziert hat, ein Investor, der Verständnis für das Geschäft mitbringt - „gerne auch ein Business Angel“, wie Lopicic sagt, der noch große Ziele verfolgt. So will er Instant Music Licensing unter die Top 5 der Branche weltweit bringen und sieht dafür einen aktiven Riesenmarkt. „Wenn man bedenkt, dass in den nächsten 3 Jahren die Anzahl der TV-Sender weltweit auf über 55.000 steigen wird“, sagt er. Und alle haben ein Interesse bei der Produktion von Dokumentationen, Trailern oder Jingles die Frage nach der Rechtenutzung von Musik möglichst rasch und preiswert geklärt zu bekommen. „Und dafür bieten wir eine smarte Lösung“, resümiert Lopicic.


Von Thomas Spengler, Oktober 2017                                                                                      
Bild: Instant Music Licensing