Startup des Monats

Startup des Monats: Macato

Flexible und schnelle Lösungen für mobiles Banking

Aus typischen Gründern, die zusammen gar einer Uni entwachsen sind, besteht dieses Trio nicht. Mit ihrem Alter liegen Thomas Poschen (47), Carsten Siegemund (49) sowie Mark Warbanoff (39) alle über den durchschnittlich 35,3 Jahren, die Jungunternehmer laut dem Deutschen Startup Monitor 2018 auf dem Buckel haben. Doch dafür bringen die Drei bereits eine gehörige Portion an Berufserfahrung und belastbare Netzwerke mit, die ihnen helfen mögen, Anfängerfehler zu vermeiden. „Wir haben alle bereits ein bewegtes Berufsleben hinter uns“, sagt Poschen, der auf 15 Jahre Erfahrung in Agenturen und beim Aufbau von Zahlungssystemen zurückblicken kann. Mit der eWallet Remipay ihrer Firma Macato GmbH in Remshalden hat das Kleeblatt nun eine Instant-Payment-Lösung für weltweite B2B- / B2C-Transaktionen in Kombination mit Business Process Services geschaffen, das bei den dritten Fintech Days in Stuttgart am 12. November 2018 das Rennen um den Titel als „Finnovativstes Startup 2018“ gemacht hat.

Ende 2017 war die Geburtsstunde der Macato

Bereits vor zwei Jahren hatte Thomas Poschen immer wieder die Klagen von Firmenkunden darüber vernommen, dass Massenauszahlungen im fünfstelligen Bereich bei Paypal nur schwer zu handeln seien. „Eine Buchhalterin überweist eben per App keine Millionen“, sagt Poschen. Der Gedanke, dafür eine Lösung zu entwickeln, ließ ihn nicht los, bis er die Idee immer weiterentwickelte und schließlich zusammen mit seinen Partnern Carsten Siegemund und Mark Warbanoff einen Businessplan auf die Beine gestellt hat. Das war Ende 2017 die Geburtsstunde der Macato GmbH in Remshalden, deren Bezeichnung sich als Akronym aus den Anfangsbuchstaben der Gründernamen zusammensetzt. Während sich Poschen fortan als CEO und „kreatives Hirn“ um die IT kümmerte, übernahm Siegemund, der zuvor unter anderem als Börsenhändler gearbeitet hatte, die Rolle des CBDO. Warbanoff mit seiner Erfahrung aus der Immobilienbranche zeichnet seitdem als CFO verantwortlich. Schnell wurde klar, dass sich die Drei auf den B2B-Bereich konzentrieren würden, ohne das B2C-Geschäft fallen zu lassen.

Rasche Integration der internen ERP-Kundensysteme

Also begannen sie, eine Payment Middle Ware zu bauen, die auf den etablierten Lösungen der Q-nnect in Mannheim beruht - eine Businessprozessplattform, die in der Welt der ERP-Systeme von IBM, SAP oder Oracle zu Hause ist. Dieses Produkt, mit dem Macato im August erfolgreich live gegangen ist, hat den entscheidenden Vorteil, dass es nach 30 Sekunden mit jeglichen SaaS und Legacy-Systemen wie zum Beispiel ERP (Enterprise-Resource-Planning) -Systemen verbunden werden kann. „Nur ein Log-in mit entsprechenden Rechten ist nötig“, so Poschen. Eine volle Integration dauert rund ein bis vier Tage, bei unbekannten Systemen maximal 20 Werktage. Üblich sind hier sonst sechs Monate bis zwei Jahre, die die IT-Abteilungen der Firmen oft zurückschrecken lassen. Dadurch könne Macato mobile Paymentlösungen innerhalb von vier Wochen realisieren, versprechen die Jungunternehmer. „Das rasche Andocken macht unseren USP aus, der wie ein Door Opener auch bei großen Konzernen wirkt“, sagt Poschen mit Blick auf Gespräche mit Interessenten, die die Drei derzeit führen. Die Anbindung der bestehenden, oft über Jahrzehnte gewachsenen Banken-IT mit neuen Systemen, die digitale Funktionen ermöglichen, ist in der Praxis oft eine große Hürde, die nur mit hohem zeitlichen und finanziellen Aufwand übersprungen werden kann. „Diese Hürde nehmen wir mit links“, sagt Poschen über das eigene Modell, das flexibel genug ist, um mit jedem anderen System kompatibel zu sein. „Und das spart Zeit und Geld“, macht Poschen klar. Die Gründe liegen in der genannten, über acht Jahre entwickelten Plattform von Q-nnect, die dem System von Macato, das unter dem Markenamen Remipay vermarktet werden soll, zugrunde liegt. Durch die rasche Integration der internen ERP-Systeme der Kunden kann so ein einfacher, kostengünstiger und sicherer Zahlungsweg entwickelt werden.

eWallet und cloudbasierte Payment Middleware

Ganz allgemein gesprochen, bietet die cloudbasierte Payment Middleware für Banken und Fintechs eine Basis für deren digitale Produkte. „Wir agieren dabei als Enabler“, sagt Poschen über den Bereich, der rund 70 Prozent des Macato-Geschäfts ausmacht. Die Bandbreite der Funktionen, die Macato anbietet ist vielfältig. Sie reicht vom Multiwährungskonto über Massenauszahlungen bis hin zu ausführlichen Reportings. Aber auch Prozess Simulationen, Predictive Analytics oder automatisierte Pep- und Blacklisten zur Geldwäschebekämpfung sind bereits fertige Teile der Remipay-Lösung.. Der andere Teil, der etwa 30 Prozent des Geschäfts von Macato umfassen soll, stellt ihre eWallet und mWallet dar, mit deren Hilfe Web- und App-Lösungen entwickelt werden, um Zahlungen weltweit zu senden und zu empfangen, einschließlich einer Instant Payment-Funktion.

Das Geschäftsmodell von Macato beruht dabei auf vier Säulen. So bietet das Startup aus Remshalden eine Whitelabel Lizenzierung an, die für Integrationen in bestehende Corporate-Strukturen genutzt werden können. Remipay arbeitet dabei zuverlässig im Hintergrund, während der Kunde dies als Eigenlösung präsentieren und vermarkten kann. Die Systeme könne dabei auf der Remipay-Infrastruktur oder auch Inhouse beim Kunden gehostet werden. Für Spezialanforderungen ist die White Lable Lösung auch bestens gerüstet. Des Weiteren gibt es ein Lizenzmodell über die relevantesten Cloudplattformen. Remipay funktioniert ebenso auf der IBM Cloud, der SAP Cloud, Azure, AWS wie seit kurzem auch auf der Open Telekom Cloud. Hier ist Macato seit einem Monat in dem neuen Techboost-Programm der Telekom aufgenommen worden.

Die dritte Säule sind Transaktionsgebühren auf der eigenen Wallet-Plattform. Aktuell entwickelt Macato die ersten kostenlosen Plugins für die gängigsten Shopsysteme im eCommerce. Das erste Plugin für das weitverbreitete WooCommerce System soll noch in diesem Jahr zur Verfügung stehen. Damit kann man Remipay genauso zum online bezahlen beim shoppen nutzen wie Paypal.

Erste Finanzierungsrunde steht an

Bisher hat das Trio noch kein fremdes Geld in Anspruch genommen. 300.000 Euro haben sie zusammen aus eigener Kraft aufgebracht - um den Proof of Concept selbst zu erbringen, wie Poschen sagt. Doch nun schauen sie sich intensiv nach einer Finanzierung um. Denn nach Ende der Startphase stößt das Trio an die eigenen Grenzen. Um Marketing und Sales zu intensivieren, bedarf es schließlich zusätzlicher Manpower. „Damit wir richtig durchstarten können“, sagt Poschen. Dafür braucht es mindestens eine Million Euro, besser zwei – und das am besten bis Jahresende.