Startup des Monats

Startup des Monats: Groovecat

Der Soundtrack des Lebens

Es war jene „besondere Zeit“ zwischen Bachelor und Master. Damals, im Dezember 2013 leistete Jakob Höflich Freiwilligenarbeit in Sri Lanka, und sein Dienst ließ ihm genügend Freiheiten zum Surfen. Eines morgens am Strand erhellte die aufgehende Sonne den Blick auf die anrollende Brandung und der ehemalige Student der Popakademie Mannheim hatte ein Album der US-Indiepop-Band „Menomena“ auf den Ohren. „Mich überkam ein Gefühl von Freiheit“, erinnert sich Höflich genau - ein Musikmoment, der wie aus dem Nichts entstanden sei.

In einer Mannheimer Kneipe stellte Höflich (heute 28) im Jahr 2014 schließlich zusammen mit seinen Kommilitonen Markus Schwarzer (29) und Joshua Weikert (28) fest, dass sie alle drei derartige Momente kennen und unabhängig voneinander die Idee hatten, daraus ein Geschäftsmodell zu basteln. Alle sind sie Musikliebhaber und waren früher noch mit Digitalkamera und iPod unterwegs, hatten aber damals keine Möglichkeit Bild und Ton auf einfache Weise zu verknüpfen. „Also beschlossen wir, das Ding zu realisieren“, erinnert sich Schwarzer. Dabei hat sich das Trio von Anfang an auf ideale Weise ergänzt. Zwar sind alle drei Absolventen des Masterstudiengangs an der Popakademie Mannheim, doch haben sie mit BWL (Schwarzer), Kommunikation (Höflich) und IT (Weikert) unterschiedliche Ausrichtungen gewählt. „Damit hat die Zusammensetzung unseres Teams von Beginn an ineinander gegriffen“, erzählt Schwarzer. Und aus der anfangs träumerischen Idee, Menschen über Musik zusammenzubringen, sei ein handfestes Projekt geworden. Inzwischen haben die drei ihr Studium beendet und arbeiten an ihrer Vision sowie an einem nachhaltigen Geschäftsmodell.

Musikmomente einfangen und teilen

Groovecat haben sie ihr Music-Tech-Startup in Mannheim getauft, das eine mobile Plattform darstellt, mit der sich Musikmomente einfangen, speichern und teilen lassen – „also wann immer die Musik, die man gerade hört, perfekt zur Situation passt“, wie Weikert erläutert. Ob in der Bahn, während eines Spaziergangs, der Nachtfahrt durch die beleuchtete Stadt, oder eben wenn am Strand von Sri Lanka die Sonne aufgeht: „Musikmomente sind emotional, einzigartig und vergänglich“, sagen die drei unisono.

Wann immer man einen solchen Musikmoment erlebt, braucht man einfach nur ein Foto oder Video in Groovecat machen, welches dann automatisch mit der Location und der Musik aus einem Streamingdienst kombiniert wird. Dieser Moment kann mit verschiedenen Filtern emotionalisiert und dann ganz einfach in der App mit Freunden geteilt oder für einen selber gespeichert werden. „Handy raus, Video machen, fertig“, bringt es Höflich auf den Punkt. So könne man im Laufe der Zeit sein ganz persönliches musikalisches Fotoalbum erstellen. „Nehmen die User ein Video in Groovecat auf, wird es automatisch mit ihrer gerade spielenden Musik unterlegt und damit ihr ‚Soundtrack des Lebens‘ kreiert,“ wie er es beschreibt.

Zielgruppe der Millennials

Groovecat spricht vor allem Millennials an, bei denen sich Musikstreaming, Smartphones und Social Media als Nutzungsformen etabliert haben, erläutert Höflich und verweist auf Studien, die die sozialisatorische und identitätsstiftende Funktion von Musik unter Gleichaltrigen belegen. Dies scheint zu funktionieren, beim derzeitigen Beta-Test an der Popakademie in Mannheim ernte Groovecat ein sehr positives Feedback, erzählt das Trio. „Jeder weiß direkt mit der Idee von den Musikmomenten etwas anzufangen beziehungsweise nimmt sie viel bewusster wahr, seitdem er unsere Plattform benutzt“, so Weikert. Zurzeit feilt das Startup daran, wie man Groovecat auch in der Zielgruppe derer, die nicht zu den Musikbegeisterten zählen, relevanter platzieren kann. Hier sei es vor allem wichtig, die anderen Use-Cases von Groovecat, wie zum Beispiel das Entdecken von Musik durch Filter wie Ort oder Emotion, in den Vordergrund zu stellen.

Wie aber finanziert sich Groovecat? Erleichtert wurde der Start zunächst durch den Gewinn des Ideenwettbewerbs BW goes Mobile im Jahr 2016. „Das hat uns einen gewissen Vertrauensvorschuss, Struktur und auch Relevanz gegeben“, so Schwarzer. Aber auch von anderen Wettbewerben und Fördermaßnahmen wie zum Beispiel dem Elevator Pitch BW oder Innovationsgutschein C profitieren die Gründer nach eigener Darstellung noch heute. Hinzu kam der CyberOne Sonderpreis von bigFM und die Teilnahme im Music WorX Accelerator, mit Belegung des ersten Platzes im Abschlusspitch. „Wir haben uns regelrecht von Förderung zu Förderung gehangelt“, erinnert sich Höflich. Dann folgte im Mai 2018 ein Engagement der Beteiligungsfonds Wirtschaftsförderung Mannheim GmbH und von Business Angel Andrea Kranzer, die zusammen einen niedrigen sechsstelligen Betrag einbrachten, der die Finanzierung bis Anfang 2019 sicherstellt.

Die nächsten Ziele von Groovecat

Mit den Musikmomenten lassen sich erstmals Musikstücke auf Basis von nutzergenerierten Inhalten emotional und situativ kategorisieren lassen. Die Vision der Jungunternehmer ist es, die Musikauswahl in den Bereichen Werbung, Film und Videospiele über eine künstliche Intelligenz zu unterstützen, die Kunden innerhalb von Sekunden mit der passenden Musik für eine Werbe- oder Filmsituation versorgt - ein Prozess der heute noch extrem langwierig, teuer und eben nicht datengestützt stattfindet. „Das Gründerteam hat ein klares Problem im B2B-Bereich identifiziert, das es über einen innovativen B2C-Ansatz löst“, sagt dazu Verena Eisenlohr, Geschäftsführerin der Beteiligungsfonds Wirtschaftsförderung Mannheim GmbH. Diese clevere Verknüpfung vor dem Hintergrund der neuen Möglichkeiten im Musikstreamingmarkt habe den Fonds überzeugt, in Groovecat zu investieren.

„Zurzeit sind wir noch in der Beta-Phase, testen und validieren unser Geschäftsmodell“, sagt Schwarzer. Dabei ist Groovecat bereits im App Store herunterzuladen, aber vorerst nur mit einem Einladungscode zugänglich. Im August, so der Plan, wird Groovecat sowohl auf iOS als auch auf Android zum öffentlichen Download zur Verfügung stehen. Dann steht auch schon eine neue Finanzierungsrunde an. Gesucht wird unter anderem ein aktiver Investor, der im Idealfall bereits eine ähnliche Plattform hochgezogen hat. Mit dem nächsten Finanzierungsschub soll dann der Schritt in die USA gewagt werden, wofür das Team gerade den STEP USA Pitch der German American Chambers of Commerce für eine einwöchige „Startup-Week“ in New York gewonnen hat. „Die USA sind Spitzenreiter, was digitalen Musikkonsum und Social Media-Nutzung angeht“, schwärmt Höflich. Im Anschluss will sich Groovecat dann um andere europäische Länder kümmern. Und ab dem 2. Quartal 2019 sollen dann auch die ersten Umsätze fließen – mit der ersten nutzerdatengestützten Musiksuchmaschine der Welt.

Webseite: www.groovecat.de

Von Thomas Spengler, Juli 2018

Bilder: Nadja Capellmann/Stadtmarketing Mannheim GmbH