Startup des Monats

Startup des Monats: Blackpin

Eine App für die sichere und schnelle Firmenkommunikation

Die Idee ist eigentlich importiert. Zumindest hat Sandra Jörg den Geistesblitz für ihr Geschäftsmodell aus Israel gehabt, wo sie bis 2015 sieben Jahre lang gelebt hat. „Die Nutzung von Messengerdiensten wird dort viel intensiver betrieben“, weiß die 44-Jährige. Nicht selten gehört ein Nutzer in Israel 400 bis 500 Gruppen von Messengerdiensten an. In Deutschland ist dies sehr viel weniger verbreitet, die Nutzungsgewohnheiten der Anwender aber haben sich auch hier insbesondere durch Whatsapp stark geändert. Und so verwundert es nicht, dass die Nachfrage nach Messengerdiensten für Firmenanwendungen massiv zugenommen hat. Entscheidender Knackpunkt ist hierbei stets die Frage nach der Sicherheit. Und genau hier setzt das Geschäftsmodell der Blackpin GmbH an, die Sandra Jörg im November 2016 zusammen mit zunächst sechs weiteren Gesellschaftern ins Leben gerufen hat.

Dutzende Unternehmen zeigen Interesse

Das Startup mit Sitz in Aichtal plant zum Ende des Jahres die App für einen sicheren B-to-B-Messenger auf den Markt zu bringen, die es Firmen ermöglicht, in einem geschlossenen Netzwerk mit ihren Kunden, Mitarbeitern oder Partnern hochverschlüsselt kommunizieren zu können. Ziel ist es, mit einer Plug-and-Play-Lösung Firmen schnell und auf einfache Art und Weise einen mobilen Messenger zur Verfügung zu stellen – Clouddienst und Hosting inklusive. Sicher und effektiv lautet dabei die Devise des Jungunternehmens. Im Vergleich zu gängigen Community Messengern hat Blackpin keinerlei Einblick in Gespräche – „Sie können weder aufgezeichnet noch mitverfolgt werden“, versichert Jörg, die Blackpin als CEO führt. Vor diesem Hintergrund arbeitet das Startup ausschließlich mit einem inländischen Hostingpartner zusammen; ebenso werden sämtliche Daten ausschließlich in Deutschland gespeichert. Mit dieser Idee habe man bei vielen Firmen einen Nerv getroffen, hat Jörg erfahren. Kein Wunder also, dass bereits Dutzende von Unternehmen ihr Interesse angemeldet haben, noch bevor die App am Markt ist. „Dabei kommen die Interessenten aus allen Branchen, wo Sicherheit und Diskretion großgeschrieben wird,“ sagt Sandra Jörg.

Startup mit 120 Jahren an Berufserfahrung

Systematisch hatte die umtriebige Aalenerin nach ihrer Rückkehr aus Israel ihr Projekt vorangetrieben. Zunächst suchte sie sich ein Expertenteam zusammen und war parallel dazu auf Investorensuche gegangen. Schließlich stellten ihr Business Angels, die sie für die Idee begeistern konnte, rund 120.000 Euro zur Verfügung. Damit konnten die ersten Programmierarbeiten finanziert werden, manche brachten auch ihr Knowhow mit ein. Inzwischen umfasst das Team neun Gesellschafter, die zusammen rund 120 Jahre an internationaler Berufserfahrung in der digitalen Medienbranche auf die Waage bringen. „Wir sind daher auch kein typisches Startup aus dem studentischen Milieu“, sagt sie. Mit Mirko Ross hat sich Blackpin erst vor Kurzem einen weiteren Spezialisten ins Haus geholt. Der Stuttgarter, der beratender Experte der ENISA (European Network and Information Security Agency) und der AIOTI (Alliance for the Internet of Things Innovation) ist, hat im Juli 2018 die Rolle des CTO, also des Technikchefs, in dem Startup übernommen. Gleichzeitig war im Zuge einer erneuten Finanzierungsrunde die Vermögensverwaltung Hammer GmbH mit einem Betrag im unteren sechsstelligen Bereich eingestiegen. Neben dieser Finanzspritze will Blackpin durch das Engagement des neuen Geldgebers auch von dem Netzwerk ihres Gründers, Ralf Hammer, Gründer der VV-Hammer GmbH in Jagstzell, profitieren.

Wie überhaupt Sandra Jörg das Netzwerken großschreibt. Dies zeigt sich auch in ihrer Agentur Neon, einem Netzwerk, in dem Freelancer seit mehr als 20 Jahren projektbezogen zusammenarbeiten. Auf diese Weise kann Neon bei Bedarf sowohl als outgesourctes Marketingteam dienen als auch Mitarbeiter-Coaching anbieten. Im Coaching-Bereich lag schließlich auch die Keimzelle für die App von Blackpin. Doch inzwischen kommen die Interessenten aus allen Bereichen, wo es sensible Daten gibt – etwa aus der Gesundheits- und Finanzbranche. Forciert wird das Interesse noch durch die vor Kurzem eingeführte DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) der Europäischen Union.

App soll zur internationalen Transaktionsplattform ausgebaut werden

Und wie sehen die nächsten Ziele von Blackpin aus? Man wolle sich im B-To-B-Bereich an die Spitze des Messengermarktes setzen, macht Sandra Jörg klar. Aber die Chefin sieht ihr Startup nicht nur als Entwickler eines reinen Messengers. Für kommendes Jahr planen die Jungunternehmer durch ein Blockchain-basiertes Smart Contracting Tool, ihre App zur internationalen Transaktionsplattform auszubauen. Mit Blick auf einen Markt wie Israel, der Jörg bestens bekannt ist, sieht Blackpin ein großes Potential für mobile Transaktionsmöglichkeiten. „Wenn man sich die innovativen Märkte genau anschaut, kann man ahnen, wohin die Reise auch bei uns in Europa in den kommenden fünf Jahren gehen wird“, so Jörg. Zunächst will man auf dem deutschen Markt wachsen, dann auch international.

Für 2019 erste Erträge geplant

Anfang 2019, wenn es an die flächendeckende Vermarktung geht, soll ein möglichst vertriebsstarker Partner als neuer Gesellschafter gewonnen werden. Dann ist auch geplant, erste Erträge zu generieren, nachdem die bereits laufenden Testmärkte bewertet sein werden. Ob es beim Standort Aichtal, wo sich die derzeitigen Gesellschafter jeden Freitag zum Office Day treffen, bleiben wird, gilt nicht als ausgemacht. Stuttgart und Berlin sind Optionen für einen künftigen Standort. Die Mehrheit an Blackpin aber wollen die engagierten Jungunternehmer behalten. Das halte die Motivation hoch, sagt die Chefin. Im Übrigen wollten alle Gesellschafter noch lange dabeibleiben, um ihr Herzensprojekt zu gestalten. „Wir brennen nämlich für unsere Idee“, schwärmt Sandra Jörg. 

Von Thomas Spengler, Oktober 2018