Startup des Monats

Startup des Monats: Azowo

Plattform für die Mobilität der Zukunft

Irgendwann im Jahr 2014 hatte die Idee des Trios Konturen angenommen: Peter Jegutzki, Andreas Kopf und Patric Schneider konkretisierten ihre Vorstellung einer Plattform für Mobility Sharing, bevor sie ein Jahr später die AZOWO GmbH ins Leben riefen. Bereits heute ist das Startup mit Sitz in Biberach an der Riß ein aufstrebendes Jungunternehmen, das sich viel vorgenommen hat.

Doch der Reihe nach. Jegutzki und Kopf hatten sich zunächst bei einer lokalen Autovermietung in Biberach kennengelernt, wo sie viel Erfahrung mit einer Flotte von 4.500 Fahrzeugen gesammelt hatten. Jegutzki war dort für das Flottenmanagement zuständig, Kopf arbeitete als IT-Experte. 20011 wechselten die beiden schließlich in die Carsharing-Branche, wo sie den Dritten im Bunde, Patric Schneider, kennengelernt haben. Bald entdeckten die Drei ihre gemeinsame Leidenschaft für eine übergreifende Softwarelösung, die Fleet Management, Carsharing für Unternehmen und Mobility Sharing umfassen sollte. Als Basis dafür gründeten sie schließlich die AZOWO GmbH, mit der sie im Oktober 2016 an den Start gingen. „Es war ein Sprung ins kalte Wasser“, erinnert sich Jegutzki. Doch schon früh konnten die Jungunternehmer feststellen, dass sie mit ihrer softwarebasierten Plattform für Mobility Sharing bei vielen Unternehmen offene Türen einrannten. „Es lief von Anfang an sehr gut“, sagt Jegutzki mit Blick auf die verbreitete Bereitschaft von Unternehmen, an ihrem Flottenmanagement etwas zu verbessern. Vielen Firmenchefs sei nämlich klar, dass sie hier effizienter werden müssten. Hinzu kommt, dass AZOWO auch der Trend zur E-Mobilität in die Hände spielt. Viele Unternehmen wollten Elektrofahrzeuge nutzen, könnten diese insbesondere wegen der geringen Reichweiten schwer in den Arbeitsablauf einbinden, erzählt Jegutzki.

System ist auf E-Bikes und E-Roller erweiterbar

Für all diese Anforderungen bietet die AZOWO GmbH mit ihrem ersten Produkt eine Lösung für Corporate Carsharing an. Dazu stellt das Unternehmen seinen Kunden eine Telematik-Box bereit, die an jedes Fahrzeugmodell angebracht werden kann. Der Vorteil für Unternehmen ist eine flexible Nutzung, da die Fahrzeuge digital reserviert und schlüssellos genutzt werden können. „Wir stellen eine Mobilitätsplattform zur Verfügung, die schnell und herstellerunabhängig vorhandene Fahrzeuge einbindet“, erläutert Andreas Kopf, der bei der AZOWO für die Produktentwicklung verantwortlich zeichnet. Lediglich 15 Minuten benötigt die Software des Startups, um ein Fahrzeug in das System zu integrieren. Ebenso liefert AZOWO Informationen zu Reichweite und Akku-Stand von E-Autos, so dass auch diese Aspekte leicht gemanagt werden können. Darüber hinaus ist das System auf E-Bikes und E-Roller erweiterbar. „Wir stellen mehr als nur eine Software für die Optimierung des KFZ-Fuhrparks zur Verfügung“, sagt Jegutzki. AZOWO ist vielmehr eine individuell anpassbare, cloud-basierte Mobility-Plattform für den B2B-Markt, mit der Unternehmen ihre Fahrzeugflotte einfacher, transparenter und effektiver managen können. „Daher verstehen wir uns als ein Plattformanbieter, der dazu beiträgt, das Zukunftsthema Mobilität zu lösen“, so Jegutzki.

Integration von Bahn und Flugzeug angepeilt

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, wenn das Jungunternehmen bereits an Möglichkeiten zur Integration weiterer Verkehrsträger wie Bahn und Flugzeug feilt. Erste Gespräche in dieser Richtung würden bereits mit Städten und Gemeinden geführt, so Jegutzki.

Für die Kunden von AZOWO dient die Plattform dazu, Standzeiten zu senken und die Auslastung von Poolfahrzeugen zu erhöhen. Gleichzeitig wird der administrative Aufwand auf ein Minimum gesenkt. „Viele Unternehmen haben eine sehr ineffiziente Auslastung ihrer Fahrzeugflotte und ein umständliches Flottenmanagement-System. Das wollen wir ändern”, sagt Kopf. Unterm Strich sorge die Anwendung des AZOWO-Systems bei den Firmen für eine Kostenersparnis in der Größenordnung von 40 Prozent, rechnet Patric Schneider vor, der bei AZOWO für Finanzen und Personal zuständig ist. Das Startup selbst nimmt dafür eine „kleine monatliche Rate“, wie Schneider sagt, die transparent pro Fahrzeug erhoben werde. Die Höhe der Fee werde jeweils individuell vereinbart und richte sich nach mehreren Faktoren.

Starthilfe von Business Angels

Starthilfe zur Entwicklung ihrer Software hatten den drei Jungunternehmern fünf Business Angels gegeben, die unter Vermittlung von Uwe Horstmann, Initiator des Berliner Gründerfonds Project A, zusammengekommen waren. Auch Horstmann selbst war mit dabei. Die Gründer schätzen dabei bis heute die strategischen Ratschläge, die sie von erfahrenen Business Angels bekommen können.

Als 2016 schließlich der Gang an den Markt anstand, konnte die Beteiligungsgesellschaft der Kreissparkasse Biberach, Chancenkapital BC, sowie die MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg für eine stille Beteiligung gewonnen werden. Im März 2018 folgte dann eine zweite Finanzierungsrunde, innerhalb der sowohl die Chancenkapital BC als auch die MBG und Project A ihr vorhandenes Engagement um einen insgesamt einstelligen Millionenbetrag aufstockten. Mit dem neuen Kapital treibt AZOWO den Team-Ausbau der Bereiche Sales und Marketing sowie die Weiterentwicklung des Produkts voran. „Wir sehen im Bereich Mobility großes Potenzial und sind beeindruckt vom ambitionierten Team”, begründet Uwe Horstmann, Partner bei Project A, sein Investment. „Neben der finanziellen Unterstützung werden wir uns auch operativ einbringen. Unsere Experten unterstützen AZOWO vor allem in den Bereichen Marketing, Sales und Business Intelligence.” Auch nach der zweiten Finanzierungsrunde halten die drei Gründer weiterhin die Mehrheit am Unternehmen.

Neues Produkt bietet Echtzeit-Überblick über Fahrzeugflotte

Im dritten Quartal 2018 arbeitet die AZOWO nun am Launch ihres zweiten Produkts, einer umfassenden Flottenmanagement-Lösung, die mit entsprechender App Zugang zu einer digitalen Fahrzeugakte für jedes Fahrzeug ermöglicht. Flottenmanager bekommen so einen Echtzeit-Überblick über die Fahrzeuge ihrer Flotte, sowohl über die gemeinsam genutzten Carsharing-Fahrzeuge, als auch die fest zugeordneten klassischen Firmenwagen. Mithilfe der aggregierten Daten aus manuellen Angaben und der Telematik-Box können Informationen zu Kilometerstand, aktueller Fahrzeugposition, anstehenden Buchungen oder dem Füllstand des Tanks direkt eingesehen werden. Features wie ein digitales Fahrtenbuch oder ein Tool zum Schadensmanagement erleichtern die Nutzung auch für den entsprechenden Fahrer. „Unser Ziel ist es, AZOWO zu einer Plattform für Mobilität aus einer Hand zu entwickeln“, macht Jegutzki klar.

Inzwischen beschäftigt das Unternehmen bereits 15 Mitarbeiter, davon acht am Stammsitz Biberach und sieben in Berlin. Der Firmenname AZOWO ist übrigens ein Kunstwort, das aus verschiedenen Überlegungen resultierte. Das Wortspiel der Mobilität von A bis Z ist dabei miteingeflossen. Außerdem spielte die Überlegung eine Rolle, mit einem Namen, der mit A beginnt, bei Auflistungen vorne zu stehen. Im Übrigen galt es, eine freie Domain zu finden.

Von Thomas Spengler, September 2018