Start-up des Monats

Start-up des Monats: Sowa Labs GmbH

Die Revolutionierung des Handels mit Kryptowährungen

Die Sowa Labs ist ein Fintech, das auf künstliche Intelligenz sowie auf zukunftsweisende Anwendungen im Handel mit Kryptowährungen und Wertpapieren spezialisiert ist. Schwerpunkte liegen dabei auf der Echtzeitanalyse von Finanzmarktinformationen und der Entwicklung von Handelsapplikationen. Nachdem die Börse Stuttgart das Startup 2017 übernommen hat, spielt es dort eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der Digitalisierungsstrategie des Handelsplatzes. Mitgründer Ulli Spankowski und sein Team planen nun nichts Geringeres als die Revolutionierung des Handels mit Kryptowährungen.

Doch der Reihe nach. Das Ganze begann bereits zu keimen, als Ulli Spankowski dabei war, seine Promotion am Banking and Finance Lehrstuhl der Uni Hohenheim zu schreiben. Damals, im Jahr 2008, entstand die Idee für ein Projekt, das sich mit dem automatisierten Auslesen von Informationen aus dem Internet befasste, die als Basis für Anlageentscheidungen dienen sollten. „Unser Ziel war es, die Schwarmintelligenz anzuzapfen“, sagt der heute 36-Jährige. Insbesondere die Neuigkeiten, die über Twitter und Internetforen die Runde machten, interessierten das Forschungsteam .

Zunächst versuchte man es über ein Forschungsprojekt mit einem deutschen Konsortium, ging dann aber rasch eine Ebene höher und suchte erfolgreich europäische Konsortialpartner. Gefördert über eine Vorgängerform des heutigen Programms Horizon 2020 der EU-Kommission und dem Funding verschiedener Unternehmen brachten die Projektbeteiligten 4,5 Millionen Euro zusammen. Damit konnten bis zu 20 Forscher aus vier Länder von 2010 bis 2013 das Projekt voranbringen und im Ergebnis die Grundlagenforschung betreiben, auf welche die heutige Sowa Labs teilweise aufbaut.

Aber nicht nur das, Spankowski lernte auf diese Weise slowenische Forscher vom Jozef Stefan Institute für Physik in Ljubljana kennen, die sich bereits etliche Jahre mit dem Thema künstliche Intelligenz und selbstlernende Algorithmen befasst hatten. Dieses Know-how ergänzte sich ideal mit der Kompetenz, die Spankowski und seine zwei deutschen Mitgründer über das Funktionieren von Finanzmärkten und Börsen miteinbrachten. „Schnell war uns klar, dass wir diese Chance nutzen wollten, indem wir eine eigene Firma gründen“, erinnert sich Spankowski. Dies war schließlich die Geburtsstunde der Sowa Labs GmbH, die im Mai 2013 zunächst in Ulm ins Leben gerufen wurde. Von den sieben Gründern kamen drei aus Deutschland, vier aus Slowenien. Dr. Miha Grcar aus Ljubljana übernahm die Rolle des CTO, Spankowski die des CEO.

„Wir waren von Anfang an sehr lean aufgestellt“, sagt Spankowski. Die Jungunternehmer brauchten keine Büros, nur ihre Laptops und einen Stellplatz für ihre Server. Und Skype half, die Distanz zwischen Stuttgart und Ljubljana zu überbrücken. So konnte die Firma Stück für Stück aus Eigenmitteln aufgebaut werden. Mit der Produktentwicklung ging es zügig voran, so dass sich bald die Frankfurter Firma Factset als Kunde und Vertriebspartner fand, die sogleich eine große Schweizer Versicherung als ersten Pilotkunden mitbrachten, den man dann gemeinsam bediente. Das erste Produkt diente dem Versicherer zum Monitoring der Aktienkurse seiner Peer Group und wichtiger Indizes sowie der Beobachtung der sozialen Medien. „Nach heutigen Vorstellungen war die Visualisierung nicht gerade optimal“, muss Spankowski über sein erstes Produkt schmunzeln. Aber es hat funktioniert.

Schließlich beauftragte die Börse Stuttgart Sowa Labs mit der Entwicklung eines Social Sentiments für Aktien, das auf der Auswertung von Tweets beruht und bis heute auf der Website der Börse angewandt wird. Dass die Börse hier ins Spiel gekommen war, ist kein Zufall. Denn Spankowski arbeitete bereits seit 2008 hauptberuflich bei Stuttgart Financial, der an der Börse angesiedelten Finanzplatzinitiative für Baden-Württemberg. Er erledigte seine Arbeit als Geschäftsführer der Sowa Labs wie anfänglich alle im Team en passant, bis man dann irgendwann an einen Scheideweg kam. Denn Sowa Labs florierte, die Umsätze stiegen in den sechsstelligen Bereich. Dann entschieden sich die slowenischen Kollegen, in Vollzeit für das Start-up arbeiten zu können. Hinzu sei gekommen, dass die Qualität, die Sowa Labs in Sachen künstlicher Intelligenz und Finanzmarktinformation inzwischen entwickelt habe, besser gewesen sei als vieles, was der Markt damals zu bieten hatte, sagt Spankowski.

Also formulierte das deutsch-slowenische Team Ende 2016 seine Vision für die Weiterführung des Geschäftsmodells. Ausgangspunkt war, dass der Privatanleger sowohl bei der Informationsdarstellung als auch dem Informationszugang für Finanzmarktthemen benachteiligt ist. „Es gibt keine adäquaten Tools, mit deren Hilfe der Privatanleger nach Trends suchen und investierbare Produkte finden kann, die ähnlich einfach funktionieren, so wie Google eben“, sagt Spankowski. So existieren keine Angebote, bei denen Privatanleger beispielsweise Stichworte wie „Blockchain“, „Health Care“ oder „Autonomes Fahren“ eingeben können, um dann ein Sentiment angezeigt zu bekommen und Vorschläge für investierbare Firmen zu erhalten - und das vor allem basierend auf künstlicher Intelligenz. Diese Lücke zu schließen, setzte sich Sowa Labs zum Ziel. „Das war unser Pitch, mit dem wir auf Kapitalsuche gegangen sind.“, so Spankowski.

Dann aber trafen die Jungunternehmer mit Alexander Höptner auf einen Bruder im Geiste. Er, der im Januar 2017 als neuer Geschäftsführer der Börse Stuttgart GmbH die Verantwortung für IT und den technischen Börsenbetrieb übernommen hatte, erkannte rasch den Wert von Spankowskis Ansatz, die künstliche Intelligenz zugunsten des Privatanlegers für die Börse Stuttgart einzusetzen. Es folgte die Gründung der Börse Stuttgart Digital Ventures GmbH, einer 100-prozentigen Tochter der Börse Stuttgart, die als Vehikel diente, die Sowa Labs schließlich zum 30. November 2017 für einen mittleren siebenstelligen Betrag zu übernehmen. Ulli Spankowski ist seither Geschäftsführer beider Gesellschaften, in denen die Digitalisierungsstrategie der Börse gebündelt ist. Um den Spirit eines Start-ups nicht zu verlieren, ist die Sowa Labs mit ihren inzwischen 16 Mitarbeiter zwar in räumlicher Nähe, aber dennoch getrennt von der Börse im Stadtzentrum Stuttgarts angesiedelt. Seinen „Entwicklungshub“, wie es Spankowski nennt, hat das junge Unternehmen in Ljubljana beibehalten, wo aktuell fünf Entwickler und Data Scientists unter Leitung des CTO Miha Grcar arbeiten.

Dem auf Predictive Data Analytics spezialisierten Fintech geht es im Kern um die Auswertung von Daten mithilfe künstlicher Intelligenz. Schwerpunkte liegen dabei auf der Echtzeitanalyse von Finanzmarktinformationen und der Entwicklung von Handelsapplikationen. Darüber hinaus übernimmt die Sow Labs eine Schlüsselrolle bei der Digitalisierungsstrategie der Börse Stuttgart, in deren Rahmen geplant ist, im Sommer 2018 ein massentaugliches Produkt für den Handel von Kryptowährungen an den Markt zu bringen, das auf der Stuttgarter Finanzmesse Invest im April erstmals vorgestellt wurde.

Unter der Marke „Bison“ soll eine eigene App eingeführt werden, die Privatanlegern den direkten Handel mit Bitcoin & Co. ermöglicht. „Das Ganze funktioniert einfach, verlässlich und gebührenfrei“, verspricht Spankowski, der insbesondere deshalb vom Erfolg der eigenen Entwicklung überzeugt ist, weil der bisherige Handel nicht sehr komfortabel funktioniere. In den folgenden zwei Jahren soll das Geschäft auch außerhalb Deutschlands rasch ausgebaut werden, insbesondere durch das gute Konzern-Setup der Börse Stuttgart in den skandinavischen Ländern. So gehört die schwedische Börse Nordic Growth Market NGM als eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Börse Stuttgart und kann durch ihre Kontakte die Türe nach Skandinavien öffnen. Der Anspruch von Sowa Labs, den Handel mit Digitalwährungen regelrecht revolutionieren zu wollen, bleibt also nicht nur auf den deutschen Markt beschränkt.