Start-up des Monats

Start-up des Monats: Mädchenflohmarkt


Online-Marktplatz für Second Hand Frauenmode


Ist es nun ein Klischee oder stimmt es wirklich, dass bei Mädchen und Frauen in regelmäßigen Abständen der Kleiderschrank überquillt? Für diejenigen Frauen, die keinen Platz mehr finden für Kleider, Schuhe und modische Accessoires, bietet jedenfalls der Online-Marktplatz Mädchenflohmarkt einen Ausweg. „Bei uns können die Frauen ihre Lieblingsstücke leicht und schnell weiterverkaufen und tolle Modeschätze von anderen entdecken“, sagt einer der drei Gründer von Mädchenflohmarkt, Peter Ambrozy.

2012 hat der 43-Jährige zusammen mit seinen Partnern Maria Spilka (28 Jahre) und Thorsten Lückemeier (41 Jahre) die Mädchenflohmarkt GmbH in Stuttgart gegründet, die sich als Marktplatz für hochwertige Second Hand Designermode und Vintage-Fashion versteht. Die Idee sei es, gebrauchte, ‘pre-loved fashion‘ in einem ansprechenden Umfeld zu verkaufen oder zu kaufen, erläutert Maria Spilka.  „Und das“, so sagt sie, „kann richtig Spaß machen und zu einem Erlebnis werden.“ Mädchenflohmarkt hebt sich dabei von Wettbewerbern wie Ebay ab, deren Homepages kaum modisch gestaltet sind. Dabei definieren die Jungunternehmer ihr Projekt nicht als hochpreisig, sondern als „klassische Mainstream Premium Fashion“. So finden sich nicht nur Artikel von Primark, Zara und H&M, sondern auch von Prada, Gucci, Louis Vuitton oder Chanel auf der Plattform. „Unsere Verkäuferinnen haben über uns die Möglichkeit, ihre Kleiderschränke zu leeren, Platz für neue Kleidung zu schaffen und nebenbei Geld zu verdienen für neue Mode“, so Ambrozy.

Mädchenflohmarkt bietet dabei zwei Wege, gebrauchte Kleidung von Designermarken anzubieten. Zum einen gibt es den Marktplatz zum Selbsteinstellen gebrauchter Kleidung. Hier übernimmt die Verkäuferin das Beschreiben, Fotografieren und den Versand ihrer Artikel selbst. Zum anderen bietet Mädchenflohmarkt einen sogenannten Concierge Service für alle Verkäuferinnen von hochwertiger Second Hand Designermode, die keine Zeit oder Lust haben, ihre Kleidung selbst einzustellen. „Dabei kümmert sich unser Team um die Produktbeschreibung, das Fotografieren und Listen auf der Webseite“, erläutert Ambrozy. Auf Grund transparenter Mitglieder-Bewertungen für alle Käuferinnen und Verkäuferinnen sorgt insbesondere der Concierge Service durch eine Echtheitsprüfung und Zustandskontrolle für Schutz vor mangelhaften Artikeln, schlechten Beschreibungen und Fälschungen. „Wir stellen sicher, dass alle Artikel in gutem Zustand sind“, sagt Ambrozy. Darüber hinaus bietet ein sogenannter Fake Check Hinweise zum Erkennen von Originalen und Fälschungen von Louis Vuitton Taschen, Ray Ban Sonnenbrillen und vielen anderen Marken.

Grundsätzlich legt die Nutzerin den Angebotspreis für ihre Artikel selbst fest, was auf Wunsch aber auch von Mädchenflohmarkt übernommen werden kann. „Die Frauen haben jedenfalls in der Regel ein gutes Gefühl für den Wert des Produkts“, weiß Spilka. Beachtliche 25 Prozent der eingestellten Artikel sei Neuware, betont sie, wovon 40 Prozent sogar noch mit Etikett ausgestattet seien.

Basis des Geschäftsmodells der Mädchenflohmarkt GmbH sind Provisionen in Höhe von zehn Prozent des Umsatzes auf dem sogenannten Marktplatz für das Selbsteinstellen und 30 bis 40 Prozent für den Concierge Service. Für den Umsatz des Unternehmens, das wie ein Makler fungiert, sorgen eine Million angemeldeter Verkäufer- und Käuferinnen, von denen rund ein Drittel aktiv ist.

Insgesamt verschickt Mädchenflohmarkt gekaufte Artikel weltweit mit dem Schwerpunkt auf sechs europäische Länder (Österreich, UK, Frankreich, Italien, Niederlande, Spanien). Wie interessant der Concierge Service ist, mit dem rund 30 Prozent des Umsatzes erzielt werden, zeigt der Umstand, dass dieser über Partnerschaftsverträge an Kundeninnen von Wettbewerbern wie Ebay angeboten wird.

Die Vision von Mädchenflohmarkt ist es, in drei bis fünf Jahren rund deutlich über 100 Millionen Euro Umsatz zu erzielen. Zum Vergleich: Ebay liegt bei rund einer Milliarde Euro in Deutschland. Auf dem Weg dorthin will Mädchenflohmarkt dazu beitragen, dass es für Frauen immer selbstverständlicher wird, wertige gebrauchte Mode mit Spaß zu verkaufen und zu kaufen.

Doch man liebe nicht nur Fashion, sagt Ambrozy. „Wir sind auch Tekkis.“ Was er dabei meint, ist der Umstand, dass Mädchenflohmarkt seine Prozesse über die Technologie stark automatisiert hat und auf diese Weise schlank aufgestellt sein kann. So stehen acht Festangestellten noch bis zu 40 Aushilfskräfte auf Stundenbasis gegenüber, die die Erfassung, das Vermessen und Fotografieren sowie die Lagerung der Artikel übernehmen. Dafür steht Mädchenflohmarkt in Stuttgart-Zuffenhausen ein Gebäude zur Verfügung, wo 35.000 Artikel gelagert werden. Ohne konkrete Zahlen zu nennen, sagt Ambrozy, sei man aufgrund des hohen Automatisierungsgrads hierbei deutlich effizienter aufgestellt als vergleichbare Unternehmen.

Dies soll dazu beitragen, bis Anfang 2018 die Profitabilität zu erreichen. Eine weitere Grundlage hat dafür der im Juni 2017 abgeschlossene Einstieg eines modeaffinen Family Office aus dem Stuttgarter Raum im siebenstelligen Bereich gelegt, die die vorerst letzte Finanzierungsrunde gewesen sein soll, meint Ambrozy. Zuvor war im April 2014 die Vorwerk Direct Selling Ventures in Wuppertal als neuer Investor gewonnen worden, der sich mit einem siebenstelligen Betrag an Mädchenflohmarkt beteiligt hatte. Mit dem erworbenen Kapital war die Marktführerschaft von Mädchenflohmarkt im Marktsegment „Premium Pre-loved Fashion“ in Deutschland gestärkt und die weitere Expansion durch den Ausbau von Marketingaktivitäten vorangetrieben worden. Die erste Million als Startfinanzierung hatten die Gründer, die heute noch zusammen 60 an dem Unternehmen halten, alleine gestemmt.

Bleibt noch die Frage, ob denn der Name Mädchenflohmarkt auch tatsächlich passt, assoziiert man mit dem Begriff doch leicht günstige Billigware. „Das stimmt schon“, gesteht Ambrozy zu. Allerdings sei der Name selbsterklärend, was ein unschätzbarer Vorteil sei. Schließlich habe man damit sogar einen eigenen Kategorienbegriff geschaffen – „ein Geschenk“, wie er sagt. Und daher, so sei Resümee, „überwiegen klar die positiven Aspekte“.

Von Thomas Spengler, September 2017
Bilder: Mädchenflohmarkt GmbH