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Herausforderungen für den deutschen Mittelstand

Der deutsche Mittelstand steht vor großen Herausforderungen.

Der deutsche Mittelstand steht vor großen Herausforderungen. Digitalisierung, Nachfolgeproblematiken und veränderte Rahmenbedingungen machen sich zunehmend bemerkbar. Das zeigt sich auch an der an den finanziellen Auswirkungen von der Insolvenzen. Mit 15,5 Milliarden Euro liegt der Schaden für die Gläubiger der Pleitefirmen aktuell fast 20 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Und auch die Zahl der bedrohten Arbeitsplätze ist um fast ein Fünftel auf schätzungsweise 120.000 gestiegen.
Das liegt statistisch darin begründet, dass in den ersten sechs Monaten 2018 zunehmend größere und ältere Unternehmen zum Insolvenzrichter mussten. Zwar kommt immer noch die Hälfte aller betroffenen Betriebe auf einen Jahresumsatz von weniger als 250.000 Euro, dies aber mit abnehmender Tendenz. Stattdessen ist zunehmend der typische Mittelständler betroffen, zum einen in der Umsatzklasse von fünf bis 25 Millionen Euro, vor allem aber in der Größenordnung mit Erlösen von jenseits der 50 Millionen.
Zum einen, weil die Insolvenzkandidaten älter werden. Während sich Gründer und Unternehmen mit einer bis zu achtjährigen Historie zuletzt deutlich besser halten konnten, tauchen bei Firmen mit über zehnjähriger Geschäftstätigkeit häufiger Probleme auf. Binnen zehn Jahren ist ihr Anteil an den Pleitefällen von einem Drittel auf mittlerweile fast 50 Prozent gestiegen. Für viele ältere Firmen ist vor allem die Digitalisierung ein Problem, aber auch die Gestaltung der Nachfolge führt häufig zu Friktionen.

Allerdings sind die Branchen unterschiedlich betroffen sind. So stehen z.B. der Bau und das Verarbeitende Gewerbe gut da und weisen rückläufige Insolvenzzahlen auf. Im Gegensatz dazu ist der Pleiteanteil des Handels an der Gesamtstatistik auf fast 22 Prozent gestiegen – und damit auf den höchsten Wert seit 2009. Offenbar führt hier der harte Wettbewerbsdruck beispielsweise zwischen stationärem und Onlinehandel zu einem Ausleseprozess. Das Gros der Unternehmensinsolvenzen kommt aber weiterhin aus dem Dienstleistungsgewerbe.
Falls im nächsten Jahr eine Konjunkturabschwächung kommen sollte, könnte die Zahl der Insolvenzen wieder steigen. Hierfür verantwortlich sind die Auswirkungen des Handelskriegs mit den USA und verschlechterte Finanzierungsbedingungen. Denn billige Kredite halten derzeit viele Unternehmen am Leben, die eigentlich längst hätten insolvent sein müssen – weil sie zum Beispiel Produktivitätsprobleme haben oder zu wenig verdienen, um mit dem Wettbewerb auf Augenhöhe mithalten zu können.
Seit einiger Zeit wird nun auch wissenschaftlich untersucht, was Familienunternehmen überhaupt langlebig macht, denn nur rund sieben Prozent schaffen es bis zur vierten Generation, wie Prof. Dr. Tom A. Rüsen vom Wittener Institut für Familienunternehmen in einem Interview mit dem Handelsblatt am 30.06.2018 erklärt hat. Auch lässt sich feststellen, dass sich die Struktur der Familienunternehmen verändert. Hatte die Familie in vergangenen Zeiten den Anspruch und den Willen, in die operative Führung zu gehen, zieht sich zwischenzeitlich eine zunehmende Zahl auf die Eigentümerrolle zurück. Hier muss dann für die nötige Kompetenz für die Arbeit im Beirat gesorgt werden, damit die familienfremde operative Führung die richtigen Impulse bekommt.
Wenn aber die operativen Familienmitglieder auf dem Rückzug sind und keiner Verantwortung im Kontrollgremium übernimmt, bleibt nur noch der Unternehmensverkauf. Es gibt ja viele Interessenten aus Südostasien oder vor allem auch aus China, die deutsche Firmen kaufen wollen. Dies führt allerdings zu einer Veränderung des mentalen Umfelds. Verkaufswillige Gesellschafter sehen sich nämlich häufig eher als Investoren und legen den Fokus auf das Privatvermögen anstatt auf das gemeinsame Firmenvermögen. Im Gegensatz dazu versteht sich die aktive Eigentümerfamilie als Treuhänder und Eigentümer des Unternehmens auf Zeit und hat den Willen, das Unternehmen für die nächste Generation weiter zu entwickeln. Sie fühlt sich, auch wenn sie nicht selbst operativ tätig ist, für das Unternehmen verantwortlich. Und vor allen Dingen will sie nicht verkaufen. Die Eigentümerfamilien unternehmen hier einiges, um sich zu professionalisieren und die digitale Transformation aktiv in die Hand zu nehmen. Manchmal lässt sich eine familieninterne Weiterführung mangels geeigneter Nachfolger jedoch nicht realisieren. Dann gewinnen externe Optionen an Bedeutung, z.B. der Verkauf an eine Beteiligungsgesellschaft, die über die notwendigen Ressourcen verfügt, das Geschäft im benötigtem Maße weiter zu begleiten.

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