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Digitalisierung des Kreditgeschäfts – nach Firmenkundenkrediten jetzt auch für Kommunalkredite

Die Digitalisierung des Bankgeschäfts schreitet unaufhaltsam voran. Dies betrifft auch das Kreditgeschäft mit Firmenkunden, überwiegend aus dem Bereich Mittelstand, die seit ca. 4 Jahren mit steigender Tendenz auf digitale Plattformen zurückgreifen. Dagegen läuft die Kreditbeschaffung bei öffentlich-rechtlichen Körperschaften seit vielen Jahrzehnten gleich. Bei Geldbedarf fragen die Kommunen bei den Kapitalgebern entweder manuell oder via Broker an. Betroffen ist ein Kreditvolumen von rund 150 Mrd. und allen Fristigkeiten, das von Körperschaften des öffentlichen Rechts in Anspruch genommen wird. Diese Kredite gelten als hochgradig sichere Anlageklasse, was sich zum Beispiel in den Regulierungsvorschriften zeigt, die keine Eigenkapitalunterlegung für derartige Kredite vorsehen.

Das bisherige Verfahren hat immer funktioniert, genügt aber nicht mehr den aktuellen Effizienz- und Geschwindigkeits- und Transparenzanforderungen, was immer häufiger kritisiert wird.

Um Darlehen zu erhalten, haben Kommunen bisher die Finanzierungen und deren Konditionen bei einem von ihnen selbst definierten Kapitalgeberkreis – ob Sparkassen, Banken und häufig über Broker – manuell angefragt. Bis ein Kredit steht, bedarf es in der Regel etlicher Telefonate, Mails und Faxe durch die Kämmerer. Das kostet nicht nur viel Zeit, sondern ist auch unsicher, weil normalerweise unverschlüsselt.

Das Gleiche gilt für die Seite der Kapitalgeber, die beispielsweise im Liquiditätsmanagement Gelder kurzfristig anlegen und EZB-Strafzinsen vermeiden wollen oder auch längerfristige Kredite im Zuge ihrer Diversifikationsstrategie vergeben möchten. So sind zum Beispiel die für eine Kreditprüfung erforderlichen Haushaltsunterlagen oft nicht beigefügt. Entsprechend aufwendig ist es dann, eine Kreditanfrage zu bearbeiten und erfolgreich zu initiieren. Außerdem werden den Kommunen die Kreditverträge bei telefonischen Angeboten von Brokern häufig nicht bei der Angebotsabgabe mitgegeben. Dies kann dazu führen, dass es nach der telefonischen Angebotsannahme durch den Kreditnehmer noch zu aufwendigen Diskussionen über Vertragsklauseln kommt.

Daher war es nur eine Frage der Zeit, dass Online-Plattformen nun auch die Kommunalfinanzierung digitalisieren wollen.

Ziel ist, die unnötig komplizierten Prozesse zu vereinfachen. Inzwischen gibt es eine Reihe von Online-Platformen, die Städte und Gemeinden als Kreditnehmer mit institutionellen Kapitalgebern aus mehreren Ländern in Echtzeit zusammen bringen, mit Vorteilen für alle Beteiligten.

Für die aufnehmenden Kommune, weil ohne Zusatzaufwand eine Vielzahl von registrierten Investoren simultan angesprochen werden kann. Mit wenigen Klicks lässt sich die Finanzierungsanfrage auf einen bestimmten Kreis beschränken oder aber eben ausweiten. Durch vorgegebene Informationssystematiken wird die Auswahl definiert. Verglichen werden nicht nur die Zinsen, sondern auch die jeweiligen Vertragsparameter, was eine Auswahl des gewünschten Finanzierungsangebotes mit hoher Transparenz schafft und als neutraler Nachweis der Konditionsfindung gegenüber Gremien genutzt werden kann.

Die Geldgeber erhalten über die Plattform direkten Zugang zu öffentlichen-rechtlichen Kreditnehmern. Außerdem werden Kreditgesuche der öffentlichen Hand i.d.R. transparent und mit den für eine Beurteilung einer Finanzierungsanfrage notwendigen Unterlagen vorgehalten. Dabei können die Kapitalgeber entweder die zur Verfügung stehenden Musterdokumentationen oder auch ihre eigenen Kreditverträge verwenden.

Die hohe Prozesseffizienz ermöglicht auch für Banken ohne eigenen Vertrieb einen Zugang zu dieser Assetklasse. Dabei ist auch möglich, eine Kreditanfrage nur teilweise zu finanzieren, sodass die aufnehmende Kommune den gewünschten Kreditbetrag von mehreren unterschiedlichen Adressen erhält. Nach der Zusage wird ein rechtsgültiger Darlehensvertrag direkt auf der Plattform abgeschlossen und die Zahlungen erfolgen direkt zwischen den beiden Parteien.

Hier zeigen sich viele Parallelen zu der digitalen Kreditaufnahme durch mittelständische Unternehmen. Es gibt aber auch erhebliche Unterschiede.

Steht bei den kommunalen Kreditnehmern die Prozesseffizienz und Transparenz im Vordergrund, ist für Unternehmen bei der Finanzierung von Betriebsmitteln daneben die Schnelligkeit ausschlaggebend. Schließlich werden damit vornehmlich Rohstoffe oder Waren für Aufträge finanziert, die sich selten auf so lange Sicht planen lassen wie etwa die Finanzierung von Anlagen. Die Studie „Finanzierungsmonitor 2018“ des digitalen Mittelstandsfinanzierers creditshelf und der TU Darmstadt zeigt, wie sehr für die Unternehmen die Zeit drängt. Ein gutes Drittel der Firmen können bis zu einen Monat auf die Finanzierungszusage warten, ebenso vielen bleiben lediglich zwei Wochen. Noch dringlicher ist die Bankentscheidung für die 15 Prozent, die nicht mehr als eine Woche ausharren können. Immerhin benötigen die Firmen das Geld, um bereits eingeplante Umsätze erst generieren zu können.

Solche Erwartungen stellen die Hausbanken vor große Herausforderungen. Bei der Digitalisierung, die zunehmend auch bei komplexe Prüfungen mit intelligenten automatisierten Prozessen abbilden kann, ist das Bankgewerbe nicht unbedingt an vorderster Front. Zum anderen sind Banken hochgradig reglementiert. Entsprechend umfangreich und kompliziert gestalten sich die Abwägungen bei der Kreditvergabe.

Ein weiterer Unterschied ist der Zinssatz. Im Gegensatz zu Kommunen sind für Unternehmen unbesicherte Betriebsmittelkredite bei Banken in der Regel vergleichsweise teuer bzw. in vielen Fällen erst gar nicht verfügbar.

Schließlich unterscheiden sich auch die Volumina. Betragen diese bei der kommunalen Finanzierung normalerweise 500.000 Euro bis 3-stellige Millionenbeträge, so geht die Bandbreite bei Mittelstandsfinanzierungen von 100.000 Euro bis 5.000.000 Euro (Beispiel creditshelf AG).

Ein weiterer Unterschied besteht in der Prüfung. Bei den Kommunalkreditplattformen wird die Kreditwürdigkeitsprüfung i.d.R. durch den Kapitalgeber durchgeführt, während Mittelstandsfinanzierer wie creditshelf diesen elementaren Prozessbestandteil selbst übernehmen. Ob diese Unterscheidungsmerkmale segmentspezifisch sind und bleiben, wird die nahe Zukunft zeigen. Es ist aber überlegenswert, nach möglichen Synergieeffekten zu schauen und vielleicht segmentübergreifend verschiedene Plattformen zu nutzen, wenn sie den eigenen Anforderungen genügen.

von Dr. Lukas Friedrich Lang

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